Kirche St. Cyprian und Justina Vis – barockes Wahrzeichen über Kut

Die Kirche St. Cyprian und Justina ist eines der markantesten sakralen Bauwerke in der Stadt Vis. Sie befindet sich in Kut, dem historischen östlichen Teil der Stadt, etwas oberhalb der Uferpromenade und der alten Steinhäuser. Breite Steinstufen führen zur Kirche, deren reich verzierte Fassade und hoher Glockenturm aus verschiedenen Teilen des višer Hafens sichtbar sind.

Die heutige Kirche wurde 1742 erbaut, doch die sakrale Geschichte dieses Ortes ist viel älter. An derselben Stelle gab es bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts eine gotische Kirche, deren Teile in das spätere Bauwerk integriert wurden.

Im hinteren Teil der heutigen Kirche ist noch ein zugemauerter gotischer Fensteröffnungs zu erkennen – ein diskreter, aber wichtiger Hinweis auf die ältere Kirche, die hier mehrere Jahrhunderte vor dem heutigen barocken Bau stand.

Eine Kirche, die über dem alten Kut dominiert

Kut ist einer der schönsten Teile der Stadt Vis, mit Steinpalästen, engen Gassen und alten Häusern, die zum Meer hinabsteigen.

Die Kirche St. Cyprian und Justina liegt etwas oberhalb dieses Gassenknäuels, was ihr eine besonders hervorgehobene Stellung im Stadtbild verleiht.

Wenn man an der Uferpromenade durch Kut spaziert, genügt es, ein paar Dutzend Meter ins Landesinnere abzubiegen und die Steinstufen zur Kirche hinaufzusteigen.

Besonders schön ist der Blick auf den Komplex von einer tieferen Ebene: Eine breite Treppe führt zur Fassade, während der schlanke Steinglockenturm neben der Kirche emporragt. Diese Kombination aus Treppe, Kirche und Glockenturm schafft eines der erkennbarsten Bilder des alten Vis.

Die heutige Kirche aus dem Jahr 1742

Die große Renovierung bzw. der Bau der heutigen Kirche wurde 1742 abgeschlossen, in einer Zeit, als Kut bereits ein entwickelter und wichtiger Teil der Stadt Vis war.

Die Architektur ist überwiegend spätbarock, doch auf der Fassade erscheinen absichtlich auch Motive, die an die ältere gotische Tradition erinnern.

Dies zeigt sich in der Kombination verschiedener Fensteröffnungen, Verzierungen und Formen, die die Kirche viel abwechslungsreicher machen als die einfachen dalmatinischen Kirchen, die man im Inneren der Inseln sehen kann.

Die Fassade ist genau das, was diese Kirche leicht erkennbar macht.

Sieben Fenster, Voluten und die Statue des St. Cyprian

Der obere Teil der Fassade ist besonders reich verziert.

Hier wechseln sich runde und vierblättrige Fenster, barocke Voluten und andere steinerne Verzierungen ab. Sieben kleine Fensteröffnungen sind um den zentralen Teil angeordnet, während in einer Nische die Statue des St. Cyprian steht.

Das dreieckige Giebelfeld endet mit einer dekorativen Reihe von liegenden Voluten.

Im unteren Teil der Fassade befindet sich ein Portal, flankiert von flachen Pilastern, über denen sich steinerne Verzierungen in Form von Rosen befinden.

Aufgrund der Vielzahl an Details lohnt es sich, die Kirche aus der Nähe zu betrachten. Was von der Uferpromenade aus wie eine einfache Steinfassade wirkt, zeigt sich bei näherer Betrachtung als eine Vielzahl kleiner barocker Dekorationen.

Der Glockenturm ist fast ebenso interessant wie die Kirche

Neben der Kirche steht ein Glockenturm, der zur gleichen Zeit wie das heutige Bauwerk errichtet wurde.

Auch er ist sehr reich verziert.

Auf seinen Wänden sind horizontale Steinbänder, vierblättrige Öffnungen, reliefartige Rosen, Engelsköpfe und elliptische Fenster zu sehen. Die Öffnungen für die Glocken sind als Biforen gestaltet, während sich an der Spitze ein pyramidenförmiges Dach erhebt.

All dies verleiht dem Glockenturm ein viel dekorativeres Aussehen, als es bei kleineren Inselkirchen üblich ist.

Doch der Glockenturm birgt auch ein viel ungewöhnlicheres Detail.

Schießscharten, die zur višer Hafen gerichtet sind

Am Glockenturm befinden sich Schießscharten, die zur Hafen gerichtet sind.

Diese sind keine Dekoration.

Die Bauherren wollten offensichtlich die erhöhte Lage der Kirche und des Glockenturms nutzen, um den Raum im Bedarfsfall auch zur Überwachung bzw. Verteidigung zu verwenden.

Dies ist ein interessantes Detail, da es gut zeigt, wie sehr Vis im Laufe der Geschichte den Gefahren vom Meer aus ausgesetzt war.

Der višer Hafen war ein äußerst wichtiger maritimer Punkt, und die Inselansiedlungen lebten jahrhundertelang mit der Möglichkeit von Überfällen durch Piraten und verschiedene Militärmächte.

Deshalb war das sakrale Bauwerk hier nicht vollständig von der Verteidigungsfunktion der Siedlung getrennt.

Das Innere hat fast einen Kreuzgrundriss

Von außen wirkt die Kirche als relativ einfaches Längsgebäude, doch das Innere ist etwas komplexer.

Es hat eine geräumige Apsis und zwei Seitenkapellen.

Die Kapellen sind flach, aber ihre Position verleiht dem Grundriss der Kirche die Form eines Kreuzes. Dies fällt beim Betreten nicht sofort auf, da sie nicht tief aus dem Hauptraum herausgezogen sind.

Das Innere ist viel ruhiger als die dekorative Fassade, aber einige Details sind besonders sehenswert.

Das Wichtigste ist die Holzdecke.

Wertvolle kassettierte Holzdecke

Die Decke der Kirche ist aus Holz und reich reliefverziert.

Die Kästen sind in Rautenform gestaltet, in denen stilisierte Blumenmotive erscheinen, und in der Mitte der Decke ist ein Bild des Schöpfers eingefügt.

Es handelt sich um einen der wertvollsten Teile des Innenraums und ein Element, dem in den letzten Jahren besondere konservatorische Aufmerksamkeit gewidmet wurde.

Die Stadt Vis und das Kulturministerium haben die Restaurierungsarbeiten an der geschnitzten kassettierten Decke finanziert, was von ihrem Wert innerhalb des geschützten sakralen Komplexes zeugt.

Wenn die Kirche geöffnet ist, lohnt es sich, nach dem Betreten auch nach oben zu schauen und nicht nur zum Hauptaltar.

Das Altarbild ist älter als die heutige Kirche

Am Hauptaltar befindet sich ein interessantes Altarbild.

Es zeigt St. Cyprian in bischöflicher Kleidung, St. Justina, die mit einem Schwert verwundet ist, St. Antonius von Padua und St. Nikolaus.

Am unteren Rand des Bildes befindet sich die Unterschrift des Malers Melchior Vidmar und das Jahr 1671.

Das bedeutet, dass das Altarbild älter ist als die heutige Kirche aus dem Jahr 1742.

Vidmar war ein Schweizer Maler, der in Venedig tätig war, und sein Werk ist ein weiterer Hinweis auf die starken kulturellen und Handelsbeziehungen von Vis zu Venedig und dem restlichen Adriaraum.

Das Bild selbst gehört vielleicht nicht zu den bedeutendsten Werken des dalmatinischen Barocks, ist aber für die Geschichte dieser Kirche aufgrund seines Alters sehr interessant.

Spuren der gotischen Kirche aus dem 15. Jahrhundert

Der älteste Teil des Komplexes befindet sich nicht an der prächtigen Fassade.

Man muss ihn im hinteren Teil der heutigen Kirche suchen, wo ein Teil des früheren Bauwerks erhalten geblieben ist.

Dort ist noch das zugemauerte gotische Fenster sichtbar.

An derselben Stelle wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts eine ältere Kirche errichtet, und ihre Teile wurden offensichtlich erhalten, als im 18. Jahrhundert das heutige größere Bauwerk entstand.

Dieses kleine Detail ist besonders wertvoll, da es zeigt, dass die Kirche St. Cyprian und Justina kein völlig neues barockes Bauwerk ist, das auf einem leeren Grundstück errichtet wurde.

Das heutige Gebäude bewahrt buchstäblich einen Rest des mittelalterlichen Vis.

Geschütztes Kulturgut

Die Kirche St. Cyprian und Justina ist im Register der Kulturdenkmäler der Republik Kroatien eingetragen.

Der Schutz bezieht sich nicht nur auf die attraktive Fassade, sondern auf das gesamte historische Bauwerk, ihren Glockenturm, das Innere und wertvolle architektonische Details.

In den letzten Jahren werden auch konservatorische Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt, darunter besonders wichtige Arbeiten an der Holzdecke.

Deshalb sollte die Kirche nicht nur als interessantes Kulisse über Kut betrachtet werden, sondern als eines der bedeutenderen erhaltenen Beispiele sakraler Architektur der Stadt Vis.

Wie kommt man zur Kirche?

Wenn man sich bereits in Kut befindet, ist es am einfachsten, zur Kirche zu Fuß zu gelangen.

Sie ist nur wenige Minuten von der Uferpromenade entfernt. Man muss sich vom Meer durch die alten Straßen hinaufbegeben und über die breiten Steinstufen zur Hauptfassade gelangen.

Auch vom Zentrum von Vis gibt es keinen Grund, das Auto zu benutzen. Ein Spaziergang am Meer von der Luka nach Kut ist eine der schönsten Stadtstrecken, und die Kirche lässt sich sehr leicht in die Erkundung der historischen Altstadt einfügen.

Es macht keinen Sinn, zu versuchen, das Auto direkt neben der Kirche abzustellen. Kut hat enge alte Straßen und begrenzten Platz, daher ist es am besten, ihn zu Fuß zu erkunden.

Was gibt es in der Nähe noch zu sehen?

Die Kirche St. Cyprian und Justina macht am meisten Sinn, wenn man sie in eine Spaziergang durch Kut integriert, anstatt sie als isoliertes Wahrzeichen zu besuchen.

In unmittelbarer Nähe befinden sich alte Steinpaläste und Höfe, darunter die Jakšini Höfe und die Paläste ehemaliger višer Adelsfamilien.

Nach dem Besuch der Kirche kann man wieder zum Meer hinuntergehen und zur kleinen Bucht Vagan weitergehen, oder noch weiter nach Osten in Richtung Grandovac.

In die entgegengesetzte Richtung führt der Spaziergang entlang der Uferpromenade ins Stadtzentrum, zur Gospa od Spilica, zur Batarija und zu den archäologischen Überresten der antiken Issa.

So kann man auf einem relativ kurzen Spaziergang sehen, wie viele verschiedene historische Epochen das heutige Vis prägen.

Lohnt es sich, die Kirche zu betreten?

Wenn die Türen offen sind – auf jeden Fall.

Schon die Fassade und der Glockenturm rechtfertigen den kurzen Aufstieg von der Uferpromenade, aber die kassettierte Holzdecke und das Innere geben ein viel vollständigeres Bild des Bauwerks.

Die Kirche ist kein klassisches Museum mit durchgehend touristischen Öffnungszeiten, daher sollte man nicht damit rechnen, dass das Innere jederzeit zugänglich ist.

Wenn sie geschlossen ist, lohnt es sich dennoch, die Treppen zu erklimmen und die Fassade, den Glockenturm und die Lage der Kirche über den alten Häusern von Kut genau zu betrachten.

Einer der schönsten barocken Ausblicke von Vis

In der Stadt Vis gibt es mehrere viel ältere Kirchen, aber nur wenige haben ein so markantes äußeres Erscheinungsbild wie St. Cyprian und Justina.

Die reich verzierte spätbarocke Fassade, der hohe dekorierte Glockenturm, die breite Steintreppe und die Lage über Kut schaffen ein Gesamtbild, das gut im Gedächtnis bleibt.

Gleichzeitig verbirgt sich hinter dem barocken Aussehen eine ältere Geschichte: die gotische Kirche aus dem frühen 15. Jahrhundert, das Altarbild von 1671 und der Glockenturm, der neben den Glocken auch Verteidigungsschießscharten zur Hafen hatte.

Gerade wegen dieser Schichten ist die Kirche St. Cyprian und Justina eines der interessantesten sakralen Wahrzeichen von Kut und ein Ort, den man unbedingt in einen Spaziergang durch die Stadt Vis einbeziehen sollte.