Kirche St. Silvester Biševo – Benediktinisches Erbe aus dem 11. Jahrhundert

Die Kirche St. Silvester auf Biševo ist das wichtigste sakrale Denkmal der Insel und einer der Orte, die am besten zeigen, wie viel älter und reicher die Geschichte Biševas ist als die heutige touristische Erzählung über die Blaue Grotte.

Sie befindet sich im Ort Poje, auf der Hochebene im Inneren der Insel, zwischen alten Steinhäusern und ehemaligen Feldern. Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine einfache kleine Inseldkirche, doch dahinter steht fast tausend Jahre dokumentierte Geschichte.

Die heutige Kirche stammt aus dem Mittelalter, und ihre Geschichte beginnt im Jahr 1050, als der Priester Ivan Gaudijev Grlić aus Split auf Biševo eine Kirche zu Ehren des Papstes St. Silvester errichtete und sie den Benediktinern von den italienischen Tremiti-Inseln übergab. In ihrer Nähe entstand bald ein Benediktinerkloster, das Biševo in ein wichtiges Netzwerk von Klostergemeinschaften über die Adria einbezog.

Die Kirche wurde 1050 erbaut

Das Jahr 1050 ist eines der Schlüsseljahre in der Geschichte Biševas.

Damals errichtete der Priester Ivan aus Split auf der zentralen Inselhochebene eine Kirche und weihte sie St. Silvester I., dem Papst des 4. Jahrhunderts.

Die Kirche wurde dann den Benediktinern von den Tremiti-Inseln übergeben, die ihr Klosternetzwerk über die Adria ausbreiteten.

Die Lage Biševas war kein Zufall. Die Insel liegt auf der Schifffahrtsroute zwischen der westlichen und östlichen Adriaküste, sodass die Verbindungen nach Süditalien im Mittelalter viel intensiver waren, als man heute beim Blick auf eine Karte annehmen könnte.

Die Benediktiner errichteten neben der Kirche das Kloster St. Silvester, und das gesamte Gebiet wurde zu einem der wichtigeren geistlichen und wirtschaftlichen Zentren dieses Teils der Adria.

Benediktiner von Tremiti

Die Benediktiner, die nach Biševo kamen, gehörten zu einem breiteren adriatischen Netzwerk, das mit den Tremiti-Inseln in Italien verbunden war.

Das Meer stellte damals keine Grenze dar, wie wir es heute oft annehmen. Im Gegenteil – es war der schnellste Weg zwischen den Küsten.

Biševo, Svetac, Vis, Hvar, Tremiti und das Gebiet des Gargano waren durch Schifffahrtsrouten verbunden, auf denen Mönche, Händler und Seefahrer reisten.

Das Kloster St. Silvester war daher kein isoliertes Kloster am Ende der Welt, sondern Teil eines viel größeren kulturellen und religiösen Raums.

Spuren dieses benediktinischen Einflusses erscheinen später auch auf Vis, insbesondere im Gebiet von Komiža.

Papst Alexander III. stellte das Kloster unter seinen Schutz

Wie wichtig das Biševska Kloster war, zeigt ein Dokument aus 1181.

In der Zeit des Konflikts zwischen Venedig und Byzanz um die Vorherrschaft in der Adria wandte sich das Kloster an Papst Alexander III. um Schutz.

Der Papst erließ am 2. Mai 1181 ein Privileg, das das Kloster St. Silvester und seine Gemeinschaft unter seinen Schutz stellte.

In dem Dokument wird direkt der Abt Ursus, der Leiter des Biševska Klosters, angesprochen.

Dies ist eine besonders wertvolle Information, da sie bestätigt, dass im 12. Jahrhundert hier nicht nur eine kleine Kirche, sondern eine organisierte und ausreichend bedeutende Benediktinergemeinschaft existierte, die direkt mit der päpstlichen Verwaltung kommunizierte.

Vom Kloster ist heute hauptsächlich die Kirche erhalten

Der benediktinische Komplex ist nicht in der Form erhalten geblieben, in der er im Mittelalter existierte.

Heute ist die Kirche St. Silvester der Hauptbestandteil des ehemaligen Klosters, während man annimmt, dass sich die Klostergebäude unmittelbar daneben, insbesondere auf der Südseite, befanden.

In der Kirche wurden auch Türen entdeckt, die einst zum Klosterhof führten.

Die umliegenden Steinhäuser, Mauern und Gärten haben im Laufe der Jahrhunderte das ursprüngliche Erscheinungsbild des Raumes verändert, sodass der heutige Besucher tatsächlich an einem sehr vielschichtigen archäologischen Standort steht, dessen alle Teile noch nicht vollständig erforscht sind.

Unter der Kirche wurde eine noch ältere Kirche gefunden

Eines der größten Überraschungen kam während der Konservierungs- und archäologischen Forschungen in den 1990er Jahren.

Es stellte sich heraus, dass die Kirche von 1050 nicht an einem völlig leeren Ort errichtet wurde.

Unter dem heutigen Gebäude wurden Überreste einer älteren frühchristlichen Kirche, wahrscheinlich aus dem 6. Jahrhundert, einschließlich einer Apsis und einem Teil des Mosaikbodens, entdeckt.

Das bedeutet, dass dieser Standort mehrere Jahrhunderte vor dem Kommen der Benediktiner eine sakrale Funktion hatte.

Im Bereich der Kirche wurden auch andere antike und spätantike Spuren gefunden, darunter Keramiken und ein Fragment eines griechischen Grabsteins mit dem Namen Theodoros.

Die Kirche St. Silvester ist daher nicht nur ein mittelalterliches Denkmal. Sie befindet sich an einem Standort, an dem eine sehr lange Kontinuität des Lebens und der Nutzung des Raums verfolgt werden kann.

Das heutige Erscheinungsbild ist nicht identisch mit dem von 1050

Die Kirche wurde ursprünglich im vorromanischen Stil erbaut, wurde jedoch im Laufe von fast tausend Jahren mehrfach repariert und umgestaltet.

Offizielle Quellen erwähnen insbesondere Veränderungen im 17. und 20. Jahrhundert, während andere Bauarbeiten auch früher stattfanden.

Das heutige äußere Erscheinungsbild ist daher das Ergebnis mehrerer verschiedener historischer Schichten.

Das einschiffige Steingebäude hat eine schlichte Fassade und einen Glockenturm, während an den Seitenwänden starke Steinstützen zu erkennen sind.

Im Inneren sind auch heute noch Details aus verschiedenen Bauphasen erkennbar.

Die Kirche ist nicht groß, aber gerade ihre Einfachheit und die isolierte Lage verleihen ihr einen starken Charakter.

Besonderer schmaler Fenster über der Apsis

Eines der interessanteren Details befindet sich an der östlichen Wand über der Apsis.

Dort gibt es ein sehr schmales und hohes Fenster, das von außen fast wie ein Schießschartenfenster aussieht, während es sich nach innen verbreitert.

Während früherer Umbauten war es zugemauert, und Restauratoren haben es wieder geöffnet.

Am Morgen fällt ein schmaler und starker Sonnenstrahl durch dieses Fenster in das dunklere Innere der Kirche.

Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass der gesamte Effekt von Anfang an genau so beabsichtigt war, aber heute ist es eines der interessantesten Details im Inneren der Kirche.

Die Biševska Madonna – eines der größten Kunstschätze, die mit der Kirche verbunden sind

Die Kirche St. Silvester ist auch mit einem sehr wertvollen mittelalterlichen Kunstwerk – der Biševska Madonna – verbunden.

Es handelt sich um eine Darstellung der Gottesmutter mit dem Kind aus etwa 1220, einem der ältesten erhaltenen Darstellungen der Gottesmutter dieser Art in Dalmatien.

Das Bild befand sich einst in der Kirche St. Silvester auf Biševo.

Heute befindet es sich nicht mehr auf der Insel, sondern wird in der Kathedrale St. Stephan in Hvar aufbewahrt.

Daher wird der Besucher, der heute die Kirche betritt, die originale Biševska Madonna nicht sehen, aber es ist wichtig zu wissen, dass gerade aus dieser kleinen Inseldkirche eines der wertvolleren Werke der mittelalterlichen dalmatinischen Kunst stammt.

Gräber der Benediktiner unter dem Boden

Archäologische Forschungen haben auch mehrere Gräber innerhalb der Kirche entdeckt.

Entlang der nördlichen und südlichen Wand wurden Gemeinschaftsgräber gefunden, in denen mehrere Personen beigesetzt waren, die vermutlich Benediktinermönchen angehörten.

Besonders interessant ist ein Grab, das sich fast in der zentralen Achse der Kirche befindet, an einem privilegierten Ort vor der Apsis.

Archäologen vermuten, dass dort eine Person von großer Bedeutung für das Kloster beigesetzt worden sein muss. Eine Möglichkeit ist, dass es sich um den Priester Ivan handelt, der die Kirche errichten ließ, aber das ist nicht bewiesen und sollte als interessante archäologische Hypothese betrachtet werden, nicht als gesicherte Tatsache.

Wie gelangt man zur Kirche St. Silvester?

Die Kirche befindet sich in Poje, im zentralen Teil von Biševo, weit entfernt von der Küste und den Hauptanlegestellen.

Um nach Biševo zu gelangen, fährt man zuerst mit dem Boot von Komiža und setzt dann zu Fuß auf den Inselwegen zur Kirche fort.

Die Kirche ist eine der offiziellen Stationen der Geostaze Biševo, sodass sie sehr gut in eine längere Erkundung des Inneren der Insel integriert werden kann.

Am praktischsten ist es, sie mit dem Besucherzentrum Blaue Grotte – Biševo, dem Ort Poje und dem Weiterweg nach Porat oder Salbunari zu verbinden.

Für das Gehen sind Turnschuhe oder gute Sandalen empfehlenswert. Im Sommer sollte ausreichend Wasser mitgenommen werden, da ein großer Teil des Weges der Sonne ausgesetzt ist.

Loht es sich zu kommen, wenn man nur die Blaue Grotte besucht?

Wenn der Plan ist, nur sehr kurz auf Biševo zu verweilen und sofort nach der Blauen Grotte nach Komiža zurückzukehren, lässt sich die Kirche schwer in einen solchen Zeitplan einfügen.

Aber wenn man einen halben Tag oder den ganzen Tag auf der Insel bleibt, lohnt es sich auf jeden Fall, sie einzubeziehen.

Die Blaue Grotte zeigt die natürliche Seite Biševas, während St. Silvester seine historische Seite zeigt.

Darüber hinaus ist es nach dem Besuch der Kirche viel einfacher zu verstehen, warum diese kleine Insel über Jahrhunderte hinweg eine viel größere Bedeutung hatte, als man aufgrund der heutigen Einwohnerzahl annehmen könnte.

Kann man das Innere besichtigen?

Die Kirche ist nicht als klassisches Museum mit Kasse und festen touristischen Öffnungszeiten eingerichtet.

Daher muss man nicht damit rechnen, dass das Innere immer geöffnet ist, wenn man selbstständig ankommt.

Selbst wenn die Türen geschlossen sind, lohnt es sich, wegen des Gebäudes selbst, des historischen Umfelds von Poje und der Überreste des ehemaligen Klosters zu kommen.

Wenn eine Besichtigung des Inneren besonders wichtig ist, ist es am besten, die Zugänglichkeit vor der Ankunft auf der Insel zu überprüfen oder über das lokale Tourismus-/Besuchersystem auf Biševo.

Das wichtigste historische Gebäude Biševas

Die Blaue Grotte ist heute ungleich bekannter, aber historisch gesehen ist die Kirche St. Silvester eines der wichtigsten Gebäude der gesamten Insel.

Am selben Ort können antike und frühchristliche Spuren, die Kirche aus dem 11. Jahrhundert, die Ankunft der Benediktiner von Tremiti, die Entwicklung des Klosters, das päpstliche Privileg aus dem Jahr 1181 und die Biševska Madonna aus dem 13. Jahrhundert verfolgt werden.

All dies befindet sich in einer kleinen Steinkirche mitten in einem ruhigen Inseldorf, das die meisten schnellen Tagesausflügler niemals erreichen.

Wenn man Biševo außerhalb der Blauen Grotte und der Sandstrände kennenlernen möchte, ist die Kirche St. Silvester einer der Orte, die man nicht auslassen sollte.

Standort: Poje, zentraler Teil der Insel Biševo
Baujahr: 1050.
Bauer: Priester Ivan Gaudijev Grlić aus Split
Stil: ursprünglich vorromanisch, später mehrfach umgebaut
Weihe: Papst St. Silvester I.
Benediktiner: Kirche wurde den Benediktinern von den Tremiti-Inseln übergeben
Kloster: befand sich einst unmittelbar neben der Kirche
Päpstliches Privileg: Papst Alexander III., 1181.
Archäologie: unter der Kirche wurden Überreste eines früheren frühchristlichen Gebäudes und Mosaiks gefunden
Besonderes Kunstwerk: Biševska Madonna aus etwa 1220, heute in der Kathedrale St. Stephan in Hvar
Zugang mit dem Auto: nein
Anreise: mit dem Boot nach Biševo, dann zu Fuß
Route: eine der Stationen der Geostaze Biševo
Eintritt: man sollte nicht mit festen touristischen Öffnungszeiten rechnen
Am besten kombinieren mit: Poje, Besucherzentrum, Geostaze, Porat und Salbunari